Kneippen: Einfach mal durchs kalte Wasser gehen

In Hallenbädern oder sogar Stadtparks sieht man oft Fußbecken, die zum Kneippen gedacht sind. Meist ist dort eine Anleitung anbracht, die erklärt, wie Sie das Kneipp-Becken richtig nutzen. Sicherlich haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie es ausprobieren sollen und was Kneippen eigentlich bringt. Wir erklären es Ihnen und können schon vorwegnehmen: Wagen Sie bei der nächsten Gelegenheit den Sprung ins kalte Wasser und versuchen Sie es.

Übersicht

Die fünf Säulen nach Kneipp

Kneipp Anwendung: Frau sitzt auf Steg und hängt ihre Beine ins Wasser

Der Grundgedanke der Kneipp’schen Therapieform geht auf Pfarrer Sebastian Kneipp zurück. Er lautet: Vorbeugen ist besser als Heilen. Deswegen sieht sein Konzept den Menschen als Ganzes und gibt mit seinen fünf Säulen vor, welche Bereiche bei der Vorbeugung von Krankheiten besonders wichtig sind:

1. Heilkräfte des Wassers: Kneipps berühmteste Säule ist die Behandlung mit Wasser. Er führt zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten mit kaltem und warmem Wasser auf. Gegen Kreislaufbeschwerden sind besonders das Wassertreten und die kalten Armwaschungen zu empfehlen.

2. Heilkräfte der Natur: Heilpflanzen spielen in der Kneippschen Philosophie eine wichtige Rolle. In ihr hat der Begründer seine verwendeten pflanzlichen Heilmittel mit der dazugehörigen Wirkung zusammengefasst. Zwei seiner aufgeführten Pflanzen haben einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System.

3. gesunde Ernährung: Kneipps Ernährungsmotto lautet „Mehr von der Pflanze, weniger vom Tier“. Generell ging es ihm darum, viel Obst und Gemüse zu essen, frisch zu kochen und somit keine industriell verarbeiteten Produkte zu sich zu nehmen. Heutzutage nennt man diese Säule “clean eating“.

4. körperliche Bewegung: „Um gesund zu bleiben, muss sich der Mensch bewegen.“ – Pfarrer Kneipp riet schon damals, sich täglich sportlich zu betätigen, wenn auch nicht zu überanstrengen. Denn zu viel Bewegung sah er ebenfalls als nicht ratsam an. „Jedes Zuviel und Zuwenig setzt anstelle von Gesundheit die Krankheit.“

5. Entspannung: Dieser Rat ist meist einfacher gesagt als getan – besonders in der heutigen schnelllebigen Zeit. Dennoch sollte man laut Kneipp auf Stress verzichten und sich regelmäßig Ruhe und Entspannung gönnen.

Darüber hinaus sieht er die Balance aus den fünf Säulen als sehr wichtig an. Nichts sollte übertrieben angewendet werden.

Wasseranwendungen gegen Kreislaufprobleme

Die wohl bekannteste Anwendung von Kneipp ist die Wassertherapie. Grundsätzlich geht es bei den Anwendungen mit kaltem Wasser immer darum, den Kreislauf in Schwung zu bringen und den Organismus zu stärken. Die Anwendungen nach Kneipp sollen in erster Linie vorbeugend wirken.

So funktioniert es: Durch die Kälte werden die Gefäße verengt und der Körper kühlt aus. Damit er sich wieder erwärmt, weiten sich die Gefäße. Das fördert die Durchblutung und bringt insgesamt das Herz dazu, kräftiger zu schlagen. Laut einer Studie der Universität Jena können Kaltwasserreize, wie sie bei Kneipp durchgeführt werden, auch das Immunsystem von gesunden Menschen stärken.

Auch wenn Kneipp mehrere Varianten der Wasseranwendungen aufführt, beginnen Sie vorsichtig mit Wassertreten oder den Armwaschungen. Halb- oder Vollbäder zum Beispiel sollten Sie nur vornehmen, wenn Sie sich sicher sind, dass Sie keine schwerwiegenden Erkrankungen haben. Am besten sprechen Sie das mit Ihrem Arzt ab.

Wassertreten nach Kneipp

Wassertreten regt den Kreislauf an und macht wach. Außerdem hat diese Kneipp-Anwendung weitere positive Auswirkungen auf den Körper. Die Therapieform

  • fördert die Durchblutung,
  • kräftigt Venenwände,
  • wirkt gegen heiße Beine,
  • fördert den Schlaf bei Anwendung am Abend,
  • kann Migräne lindern,
  • regt den Stoffwechsel an,
  • stärkt das Immunsystem und
  • wirkt vegetativ stabilisierend.

Für das Wassertreten brauchen Sie ein Becken mit kaltem Wasser. Das finden Sie in vielen Schwimmbädern und Spas. Schauen Sie sich in Ihrem nahegelegen Park um, manchmal sind auch dort Kneippbecken installiert. Sie können aber auch zu einem ruhigen Bach gehen. Alternativ dazu können Sie einfach in Ihrer Badewanne kneippen. Wichtig beim Wassertreten ist, dass die Wassertemperatur unter 15 Grad Celsius liegt und Ihnen das Wasser nicht über die Knie reicht.

Achtung:

Wassertreten ist bei Blasen- und Nierenerkrankungen, schweren arteriellen Durchblutungsstörungen, Infektionen der Harnwege und Unterleibsinfektionen nicht geeignet.

Anleitung für Zuhause:

  • Befüllen Sie Ihre Badewanne mit kaltem Wasser. Lassen Sie nur so viel Wasser ein, dass es Ihnen bis zur Mitte der Wade reicht. Sollte es nicht kalt genug sein, können Sie auch Eiswürfel hinzufügen.
  • Stellen Sie sich ins Wasser und beginnen Sie vorsichtig damit, auf der Stelle zu treten. Achten Sie darauf, dass Sie bei jedem Schritt das Bein ganz aus dem Wasser herausziehen.
  • Die Dauer des Wassertretens sollte eine Minute nicht übersteigen. Ist der Kältereiz schon vorher zu groß sein, beenden Sie die Behandlung umgehend.
  • Nach dem Wassertreten das Wasser abstreifen oder sich zügig abtrocknen. Im Anschluss sofort anziehen und die Nachwärme wirken lassen. Am besten danach noch etwas gehen oder die Füße bewegen um das Wärmegefühl zu verstärken.

Wenn Sie zuhause keine Badewanne besitzen, können Sie das Wassertreten auch in einem größeren Eimer versuchen. Gehen Sie dann einfach auf der Stelle.

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Anwendung nach Kneipp: Kalte Armwaschungen

Etwas einfacher und schneller durchzuführen sind die kalten Armwaschungen. Diese Kneipp-Anwendung können Sie vor allem zwischendurch und anwenden, um wieder frisch und wach zu werden. Durch die Armwaschungen wird der Herzmuskel besser durchblutet und der Stoffwechsel angeregt.

Beugen Sie sich über das Waschbecken und lassen Sie einen kalten Wasserstrahl langsam vom Handrücken bis zur Schulter wandern. Wenn Sie oben angekommen sind, drehen Sie den Arm nach außen und gehen mit dem Wasser von der Schulter zurück über die Innenseite des Arms bis zur Handfläche. Wiederholen Sie den Vorgang mit dem anderen Arm. Wenn Sie fertig sind, können Sie wieder von vorne beginnen – ein bis zwei Durchgänge reichen. Ziehen Sie sich anschließend an und bewegen Sie die Arme, um den Körper wieder aufzuwärmen.

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, den Arm unter den Wasserhahn zu halten, können Sie auch einen Waschlappen verwenden, den Sie vorher und zwischendurch mit kaltem Wasser nass machen.

Heilkräfte der Natur nach Kneipp

In seinem Buch „Meine Wasserkur“ führt Sebastian Kneipp neben Anleitungen zu seinen Wasseranwendungen auch zahlreiche Heilpflanzen samt der Wirkung auf den Körper auf. Den beiden Pflanzen Rosmarin und Mistel spricht er eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System zu und stellt sogar die entsprechenden Rezepte für Tees zur Verfügung.

  • Rosmarintee nach Kneipp: Rosmarin gilt bei Kneipp als kreislaufregulierend und kann bei hohem Puls verwendet werden. Für den Tee einen Teelöffel frischen oder getrockneten Rosmarin aus der Apotheke auf eine Tasse Wasser (etwa 250 Milliliter) aufgießen. Trinken Sie ein bis zwei Tassen täglich, gerne auch über den Tag verteilt.
  • Misteltee nach Kneipp: Laut Kneipp kann Mistel bei Kreislaufschwäche und beschleunigtem Puls helfen. Die Pflanze reguliert angeblich den Blutdruck und soll Symptome wie Schwindel beseitigen. Für den Tee vier Teelöffel getrocknete Mistel aus der Apotheke mit einer Tasse Wasser (etwa 250 Milliliter) überbrühen. Drei Mal täglich eine Tasse Misteltee trinken.

Auch heute noch werden die beiden Pflanzen vor allem in Form vom Tees oder ätherischen Ölen gegen diese Kreislaufbeschwerden empfohlen.

Die Geschichte: Wer war Kneipp?

Begründet wurden die Anwendungen und die Philosophie um Kneipp von dem Pfarrer Sebastian Kneipp aus Stephansried in Bayern. Als er 1846 an Tuberkulose erkrankte und ihm die Folgen der Krankheit auch noch Jahre später zu schaffen machten, wagte er einen Selbstversuch. In einem Buch des Arztes Johann Siegmund Hahn las er erstmals von der Heilkraft kalten Wassers. Nachdem er einige Sekunden in der kalten Donau gebadet und danach einen kurzen Sprint hingelegt hatte, fühlte er sich frisch und erholt. In den darauffolgenden Tagen wiederholte er die Prozedur und ergänzte sie um Halbbäder und Güsse.

Das Ergebnis: In den folgenden Jahren verbesserte sich sein Gesundheitszustand zunehmend. Aufgrund seiner positiven Erfahrungen entwickelte er daraus über mehrere Jahre hinweg eine ganzheitliche Therapieform. 1886 stellte er letztendlich sein Buch „Meine Wasserkur“ fertig.

Interessantes Hintergrundwissen:

Sebastian Kneipp soll mithilfe seiner Wasseranwendungen Menschen von Cholera und ganze Rinderherden von der Maul- und Klauenseuche geheilt haben.

Wenn Sie also das nächste Mal irgendwo ein Kneipp-Becken sehen, wissen Sie, was zu tun ist und welche positive Wirkung das Wassertreten auf Ihr Herz-Kreislauf-System hat.

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