Hyptertensive Krise: Anzeichen erkennen und richtig handeln

22. Januar 2020
7 Min.

Zittern, Schwitzen, Kopfschmerzen und Übelkeit – hinter diesen Symptomen steckt womöglich eine hypertensive Krise. Dabei handelt es sich um einen plötzlichen starken Anstieg des Blutdrucks. Dieser kann unter Umständen lebensgefährlich sein und muss dringend ärztlich behandelt werden.

Ältere Frau verspürt Kopfschmerzen und Schwindel aufgrund einer hypertensiven Krise.


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Definition: Wann liegt eine hypertensive Krise vor?

Ab einem Blutdruckwert von 220 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) zu 120 mmHg oder höher sprechen Mediziner von einer hypertensiven Krise.1 Alternative Bezeichnungen sind hypertensive Entgleisung, Hochdruckkrise oder hypertone Krise.

Durch den extrem hohen Blutdruck sind akute Schädigungen der Gefäße und Organe (zum Beispiel des Herzens oder der Lunge) möglich. Ist das der Fall, nutzen Experten die Bezeichnung hypertensiver Notfall. Diesen gilt es unbedingt zu vermeiden, weswegen eine hypertonische Krise immer einer sofortigen Behandlung bedarf.

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Als optimaler Blutdruck gilt ein systolischer Wert unter 120 mmHg und ein diastolischer Wert unter 80 mmHG (kurz 120 zu 80).2 Optimal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bei jedem Menschen ab 18 Jahren mit dieser Blutdruck-Einstufung das Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen am geringsten ist. Wenn bei Betroffenen jedoch Risikofaktoren, wie zum Beispiel eine Diabeteserkrankung, vorliegen, kann der normale, wünschenswerte Blutdruck höher festgelegt sein.

Warnzeichen und Symptome: Wie lässt sich eine hypertensive Krise erkennen?

Eine hypertensive Krise ist nicht immer leicht auszumachen. Vor allem bei Menschen, die schon seit längerer Zeit unter einem erhöhten Blutdruck leiden, sind die Symptome oft schwächer ausgeprägt. Zu den möglichen Beschwerden einer Hochdruckkrise gehören beispielsweise:

  • Zittern
  • Schwitzen
  • Schwindel
  • stark gerötetes Gesicht (durch eine vermehrte Durchblutung)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit (womöglich bis hin zu Erbrechen)

Hinzu kommt, dass Angst und Nervosität im Falle einer hypertensiven Entgleisung den Blutdruck häufig noch weiter nach oben treiben.

Zwar ist bei einer hypertensiven Krise der Blutdruck gefährlich hoch, allerdings treten bislang keine konkreten Symptome auf, die auf eine akute Schädigung der Organe hinweisen. Anders ist das bei einem hypertensiven Notfall, der sich unter anderem wie folgt bemerkbar machen kann:

  • Brustschmerzen oder ein Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
  • erschwerte Atmung bis hin zur Atemnot
  • Sehstörungen
  • Verwirrtheit
  • Bewusstseinsstörungen
  • neurologische Ausfallerscheinungen, zum Beispiel Lähmungen

Was tun bei einer hypertensiven Krise?

Beim Verdacht auf eine hypertensive Entgleisung ist rasches Handeln wichtig, um einen hypertensiven Notfall mit Organschäden zu vermeiden. Komplikationen, die durch den extrem hohen Blutdruck entstehen können, sind beispielsweise:

  • Schlaganfall (Funktionsausfall in Teilen des Gehirns durch Einblutungen)
  • Lungenödem (Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge),
  • Herzinsuffizienz (die Pumpleistung des Herzens ist reduziert)

Rufen Sie aus diesem Grund bei einer hypertensiven Krise umgehend den Notruf (112).

In der Regel erhält der Patient nach einer kurzen Untersuchung Mittel zur Blutdrucksenkung (Antihypertensiva) – entweder in Form von Tabletten oral über den Mund eingenommen oder über eine Spritze direkt in den Blutkreislauf, wenn eine besonders schnelle Wirkung gefragt ist. Anschließend kommt er zur Überwachung ins Krankenhaus. Dort überprüft der Arzt oder das Pflegepersonal in engen Abständen die Entwicklung des Blutdrucks.

Ziel der Therapie ist es, den Wert kontrolliert wieder auf ein unkritisches Niveau herabzusenken. Als grobe Faustregel wird eine Reduktion des Bluthochdrucks um 20 bis 25 Prozent in den ersten zwei bis drei Stunden vorgegeben.3 Eine zu schneller Abfall des Blutdrucks würde eine große Belastung für das Herz-Kreislauf-System darstellen. Zudem soll der Körper den Blutdruck baldmöglichst wieder eigenständig regulieren.

Oft kann der Patient im Anschluss an eine hypertensive Krise nach kurzer Zeit das Krankenhaus wieder verlassen. Je nach individuellem Gesundheitszustand wird er womöglich noch kurzzeitig krankgeschrieben und muss sich schonen – der behandelnde Arzt entscheidet im Einzelfall darüber. Auch wenn eine hypertensive Krise ernstgenommen werden muss, schwerwiegende Spätfolgen sind bei einer frühzeitigen medizinischen Behandlung relativ selten.

Behandlung hypertensiver Notfall

Kam es bereits zu einem hypertensiven Notfall, wird der Patient je nach Art und Ausprägung der Organschädigung zur weiteren Behandlung meist auf die Intensivstation des Klinikums gebracht.

Ursachen: Wie entsteht eine hypertensive Krise?

Meist tritt eine hypertensive Krise bei Menschen auf, die schon seit längerer Zeit einen erhöhten Blutdruck haben. Zum Beispiel dann, wenn diese nach langer Einnahme ein blutdrucksendendes Medikament zu schnell und ohne ärztliche Anleitung absetzen oder unter starkem Stress leiden.

Nur selten kommt es bei Personen mit normal hohem Blutdruck zu einer hypertensiven Entgleisung. Gründe dafür können dann sein:

  • Nierenerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • hormonelle Fehlfunktionen (zum Beispiel der Schilddrüse)
  • Alkoholentzug (bei Alkoholikern)
  • Drogenmissbrauch

Es gibt aber auch Fälle, bei denen kein nachvollziehbarer Grund zur Erklärung des plötzlichen Blutdruckanstiegs festgestellt werden kann.

Hypertensive Entgleisung vorbeugen – geht das?

Es ist nur bedingt möglich, eine hypertensive Krise vorzubeugen. Jedoch können Sie allgemein gegen einen zu hohen Blutdruck vorgehen und so die Wahrscheinlichkeit für eine Blutdruckkrise verringern.

Folgende Maßnahmen sind hierfür zu nennen:

Am besten Sie lassen sich zum Thema Bluthochdruck beziehungsweise Blutdruck senken von Ihrem Hausarzt beraten. Er kann Ihnen nicht nur wertvolle Tipps liefern, sondern gegebenenfalls auch blutdrucksenkende Medikamente verschreiben.

Pauline Zäh
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