Hypotonie oder zu niedriger Blutdruck: Ursachen und Wirkung

Ein niedriger Blutdruck, auch Hypotonie genannt, kommt in unterschiedlichen Formen vor. Medizinisch wird zum einen zwischen vererbter und erworbener Hypotonie unterschieden, zum anderen erfolgt eine Zuordnung in drei unterschiedliche Erscheinungsbilder. Bei der sogenannten konstitutionellen Hypotonie sind die Ursachen des dauerhaft niedrigen Blutdrucks unbekannt – sie ist zugleich die häufigste Form der Hypotonie. Der symptomatischen sowie der orthostatischen Hypotonie liegen konkrete und bekannte Ursachen, beispielsweise eine Erkrankung, zugrunde.

Niedriger Blutdruck – den Ursachen der Hypotonie auf der Spur

Arzt berät Patientin zu den verschiedenen Ursachen eines niedrigen Blutdrucks

Bei einem Blick über die Grenzen Deutschlands zeigt sich: Nur hierzulande wird Hypotonie als eigenständiges Krankheitsbild eingestuft. In anderen Weltregionen wie den USA oder auch in Europa wird ein zu niedriger Blutdruck eher als harmlose Befindlichkeitsstörung belächelt und deswegen gelegentlich auch als „german disease“, die „deutsche Krankheit“, bezeichnet. In Deutschland hingegen werden Hypotonie, Ursachen und Symptome ernstgenommen und Patientenbedürfnissen damit nachgegangen. Therapiestrategien müssen im Falle einer Diagnose abhängig von der Form der Hypotonie erfolgen. Ärzte setzen daher im Diagnoseverfahren bei den möglichen Ursachen der Hypotonie an.

Von einem zu niedrigen Blutdruck spricht der Mediziner, wenn ein Blutdruckwert dauerhaft unter 105 zu 60 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) liegt1. Um einen chronisch zu niedrigen Blutdruck diagnostizieren zu können, ist vorab die regelmäßige Messung des Blutdrucks notwendig. Oftmals konktrollieren Betroffene mit Kreislaufstörungen und entsprechenden Symptomen über längere Zeit ihre Werte mit einem eigenen Messgerät und gehen mit dem Verdacht auf eine vorliegende Hypotonie zum Arzt. Nachdem der Arzt den niedrigen Blutdruck festgestellt oder bestätigt hat, wird er der Ursachenklärung immer eine ausführliche Anamnese voranstellen. Das heißt, er fragt unterschiedliche Aspekte ab und führt Untersuchungen durch, um Auslöser einzugrenzen oder auszuschließen. Dazu zählen:

  • Beschwerden und individuelle Krankheitserscheinungen
  • körperlicher Zustand
  • Lebensgewohnheiten
  • frühere Erkrankungen
  • aktuelle Erkrankungen
  • familiäre Erkrankungen

Männer sind anders als Frauen – auch in Sachen Blutdruck: Männer und Frauen werden bei der Einstufung eines zu niedrigen Blutdrucks unterschiedlich bewertet. Von niedrigem Blutdruck spricht der Arzt bei Frauen ab einem Wert von unter 105 zu 60 mmHg. Bei Männern bereits ab Werten unter 110 zu 70 mmHg. Allgemein wird ein niedriger Blutdruck oftmals als Frauenleiden bezeichnet – tatsächlich betrifft er Frauen deutlich häufiger als Männer.

Ursache unbekannt: Niedriger Blutdruck als genetische Veranlagung

Die häufigste Form eines zu niedrigen Blutdrucks ist die sogenannte konstitutionelle, primäre oder essentielle Hypotonie. Drei Namen für ein und dasselbe Krankheitsbild – einen chronisch niedrigen Blutdruck – ohne bekannte Ursache. Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu fünf Prozent der Bevölkerung von zu niedrigem Blutdruck betroffen, 90 Prozent davon werden der konstitutionellen Form zugeordnet. Bezüglich der Ursachen können Mediziner lediglich Vermutungen anstellen. So gibt es Beobachtungen, die auf einen Zusammenhang mit dem Körperbau rückschließen lassen – von einer konstitutionellen Hypotonie sind vorwiegend schlanke und zierliche Frauen betroffen. Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen, tendenziell leiden eher jüngere Menschen an den typischen Beschwerden. Die Veranlagung für den dauerhaft niedrigen Blutdruck scheint außerdem genetisch bedingt zu sein.

Mögliche Kreislaufbeschwerden treten im Falle der konstitutionellen Hypotonie zumeist nicht permanent, sondern nur gelegentlich auf. Auslöser kann ein für den Körper belastender Temperaturwechsel sein, beispielsweise nach längerem Baden in sehr heißem Wasser oder nach starker Hitzeeinstrahlung im Sommer. Oftmals fällt es Betroffenen aber auch schwer, morgens den Kreislauf in Schwung zu bekommen. Häufig werden Symptome wie Schwindel, kalte Hände und Füße, Sehstörungen, Müdigkeit oder auch Antriebslosigkeit beobachtet. Bei jungen Menschen tauchen die Symptome insbesondere in der Pubertät und während Wachstumsschüben auf. Die unangenehmen Begleiterscheinungen eines dauerhaft niedrigen Blutdrucks müssen, anders als die genetische Ursache der Hypotonie, nicht hingenommen werden. Bei eingeschränkter Lebensqualität sind die Symptome mit einer individuell abgestimmten Behandlung in der Regel gut in den Griff zu bekommen.

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Ursachen der symptomatischen Hypotonie

Der sogenannten symptomatischen oder sekundären Hypotonie liegen im Gegensatz zur konstitutionellen Form konkrete und bekannte Ursachen zugrunde. Der niedrige Blutdruck taucht in diesem Fall als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder als Nebenwirkung eines Medikamentes auf.

Krankheitsbilder, die als Ursache einer symptomatischen Hypotonie in Frage kommen:

  • Erkrankungen des Herzens
  • Gefäßerkrankungen
  • Unterfunktion der Nebennierenrinde
  • Fehlfunktionen der Schilddrüse
  • Diabetes mellitus
  • akute Infekte wie Durchfall
  • Salz- oder Flüssigkeitsmangel

Medikamente, die ursächlich eine symptomatische Hypotonie auslösen können:

  • Psychopharmaka
  • Medikamente zur Therapie von Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika)
  • Blutdrucksenker (Antihypertensiva und Antihypertonika)
  • gefäßerweiternde Substanzen, wie Vasodilatanzien

Grundsätzlich gilt es bei der symptomatischen Hypotonie auch zeitlich einzugrenzende Ursachen zu berücksichtigen, dazu zählen Schwangerschaften ebenso wie besonders belastende Stresssituationen oder lange Bettlägerigkeit. Zu niedriger Blutdruck kann also auch nur eine temporäre Erscheinung sein.

Anpassungsstörung als Ursache der orthostatischen Hypotonie

Die dritte Form der Hypotonie, die sogenannte orthostatische Hypotonie, ist auf eine fehlende Orthostase-Reaktion zurückzuführen. Sie taucht deshalb auch unter den Bezeichnungen orthostatische Dysregulation oder Orthostase-Syndrom auf. Die Ursache des niedrigen Blutdrucks kann bei dieser Form der Hypotonie konkret benannt werden. Je nachdem, ob wir sitzen, stehen oder liegen, findet unser Kreislaufsystem unterschiedliche Bedingungen vor. Die Orthostase-Reaktion sorgt bei gesunden Mensch dafür, dass sich Blutdruck und Kreislaufsystem in aufrechter Lage anpassen. Bei einer Störung kann es nach dem Aufstehen oder bei längerem Stehen zu einem akuten Blutdruckabfall kommen. Die Symptome reichen von Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Herzklopfen, Schweißausbrüchen bis hin zu Ohnmacht. Studien zufolge haben Patienten mit orthostatischer Hypotonie zudem ein geringfügig erhöhtes Demenzrisiko2.

Schellong-Test: Bei Diagnostik der orthostatischen Hypotonie wird der sogenannte Schellong-Test eingesetzt. Der Körper wird gezielt belastet, um zu prüfen, wie gut er die orthostatische Kreislaufbelastung verkraftet. Die Veränderungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks nach einem Wechsel vom Liegen in den Stand geben an, ob die Kreislauf-Anpassung in aufrechter Haltung problemlos erfolgt ist oder nicht.
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1Menche, Nicole: Pflege Heute. Lehrbuch für Pflegeberufe. München: Elsevier 62014. S. 362.
2Langzeitstudie Orthostatische Hypotonie – leicht erhöhtes Demenzrisiko, Autor: Thomas Müller. Abgerufen unter: https://www.springermedizin.de/hypotonie/vaskulaere-demenz/orthostatische-hypotonie---leicht-erhoehtes-demenzrisiko/10868602 (Stand 13.02.2018)