Herzmuskelentzündung – alles Wichtige auf einen Blick

  • Symptome: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Druckgefühl bzw. Schmerzen in der Brust, Herzstolpern
  • Ursachen: meist durch Viren wie Coxsackie, Influenza oder COVID-19 bedingt; seltener sind Bakterien, Pilze oder Autoimmunerkrankungen verantwortlich
  • Diagnose: durch eine Kombination aus Blutuntersuchung, EKG, Herzultraschall und manchmal einem Kardio-MRT
  • Therapie: körperliche Schonung ist das A und O; unter Umständen kommen entzündungshemmende Arzneimittel oder Herzmedikamente zum Einsatz
  • Häufig gestellte Fragen

Symptome: Wie merkt man, ob man eine Herzmuskelentzündung hat?


Arzt erklärt anhand eines Modells, was es mit einer Herzmuskelentzündung auf sich hat.

Die Symptome einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) sind häufig unspezifisch und ähneln den Beschwerden des ursprünglichen Infekts, insbesondere Müdigkeit oder Abgeschlagenheit. Diese treten in der Regel 1 bis 2 Wochen nach einer scheinbar überstandenen Infektion der Atemwege oder des Magen-Darm-Trakts auf.1  

In vielen Fällen kommt es bei einer Myokarditis zu Beschwerden, die auch bei anderen Herzerkrankungen wie einem Herzinfarkt möglich sind. Dazu gehören:  

  • Druckgefühl oder stechende Schmerzen in der Brust  

Diese Symptome können je nach Schweregrad der Entzündung unterschiedlich stark auftreten, was die Diagnose der Myokarditis erschweren kann. 

Herzmuskelentzündung bei Kindern erkennen

Eine Myokarditis bei Kindern ist selten, aber schwer zu erkennen. Besonders kleinere Kinder können Schmerzen oder Schwäche nicht verbalisieren. Zudem treten oft unspezifische Symptome auf: Bei Neugeborenen und Kleinkindern sind es hohes Fieber, Lethargie, Schwitzen und schlechtes Trinkverhalten, während Kindergartenkinder eher über Abgeschlagenheit, Schwindel oder Bauch- und Muskelschmerzen klagen.

Was löst eine Herzmuskelentzündung aus?


In der Regel geht einer Herzmuskelentzündung eine Infektion mit Viren voraus. Bakterien oder nicht-infektiöse Ursachen wie Autoimmunerkrankungen oder Nebenwirkungen der Krebstherapie (z. B. Brustkorb-Bestrahlung) sind selten. 

Zu den häufigsten viralen Auslösern gehören:2 

  • Hepatitis C-Virus 
  • HI-Virus (AIDS) 
  • Parvovirus B 19 (Ringelröteln) 

Einige Viren erreichen über die Blutbahn direkt das Herzmuskelgewebe (Myokard), dringen ein und lösen dort eine Entzündung aus. Die Erreger können jedoch auch indirekt eine Herzmuskelentzündung provozieren, beispielsweise durch ein Überschießen der Immunantwort (Zytokinsturm). Dies führt dazu, dass zahlreiche Immunzellen zum Entzündungsherd geleitet werden. Im weiteren Verlauf können diese Immunzellen nicht nur das infizierte Gewebe, sondern auch gesunde Zellen – wie Herzmuskelzellen – schädigen.2 

Ein bedeutender Risikofaktor für eine Herzmuskelentzündung ist eine verschleppte Infektion wie eine Erkältung. Dies passiert dann, wenn der Körper nicht ausreichend geschont und man zu früh wieder körperlich oder sportlich aktiv wird. In solchen Fällen können die Erreger über das Blut zum Herzen oder anderen Organen gelangen und dort eine Entzündung verursachen. 

Myokarditis oder Perikarditis?

Neben der Myokarditis kann bei viralen Infektionen auch der Herzbeutel (Perikard) betroffen sein. Die Entzündung (Perikarditis) geht häufig mit Symptomen einher, die denen einer Myokarditis ähneln, wie Brustschmerzen und Atemnot. Aber es gibt auch Unterschiede: 

  • Perikarditis: Die Brustschmerzen treten meist unterhalb des Brustbeins auf. Sie verstärken sich in der Regel, wenn der Patient sich hinlegt, und können in den Hals, Arme oder Beine ausstrahlen. 
  • Myokarditis: Hier sind die Brustschmerzen häufig dumpfer und können mit Herzrasen und Müdigkeit einhergehen.  

Die genaue Unterscheidung und Diagnose ist jedoch durch den Arzt erforderlich. Dies ist wichtig, da die Therapieansätze für Perikarditis und Myokarditis unterschiedlich sind. Während die Standardtherapie der Perikarditis vor allem aus entzündungshemmenden Medikamenten wie Ibuprofen oder ASS und der Gabe von Colchicin (einem entzündungshemmenden pflanzlichen Arzneistoff) besteht, wird die Behandlung der Myokarditis individuell auf die Symptome und Ursachen abgestimmt. 

Diagnose: Wie stellt der Arzt eine Herzmuskelentzündung fest?


Person hält ein EKG-Schreiben in den Händen: Es misst die elektrischen Ströme im Herzens und kann bei Veränderung auf eine Myokarditis hinweisen.

Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Zunächst ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner, der die Symptome beurteilt und bei Bedarf an einen Kardiologen überweist. 

Da die Diagnose einer Herzmuskelentzündung oft komplex ist, erfordert sie neben der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung in der Regel eine Kombination aus weiteren spezialisierten Untersuchungsverfahren

Häufig eingesetzte Diagnosemethoden sind:3 

  • Blutuntersuchung: Erhöhte Entzündungswerte wie C-reaktives Protein (CRP) sowie herzspezifische Enzyme wie Troponin deuten auf eine Schädigung des Herzmuskels hin. 
  • EKG (Elektrokardiogramm): Das EKG misst die elektrischen Ströme im Herz. Typische Veränderungen im Herzrhythmus können auf eine Entzündung des Herzmuskels hinweisen. 
  • Kardio-MRT: Ein Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens liefert eine detaillierte Darstellung des Herzgewebes und hilft, das Ausmaß der Entzündung und mögliche Schäden festzustellen. 
  • Myokardbiopsie: In seltenen Fällen, wenn andere Tests keine Klarheit bringen, kann eine Gewebeprobe des Herzmuskels entnommen werden, um die genaue Ursache der Entzündung zu bestimmen.

Wie behandelt man eine Herzmuskelentzündung?


Frau schläft im Bett - körperliche Schonung ist bei einer Herzmuskelentzündung Pflicht.

Grundsätzlich muss nicht jede Myokarditis behandelt werden. Ob Medikamente und andere Therapieansätze notwendig sind, hängt vom Schweregrad und der Ursache der Erkrankung ab. Bei leichteren Verläufen kann die Erkrankung von selbst abklingen. Im Gegensatz dazu können bei schweren Formen Medikamente erforderlich sein und in extremen Fällen auch eine Herztransplantation. 

Die wesentlichen Behandlungsansätze umfassen: 

  • Körperliche Schonung: Die wichtigste Maßnahme bei jeder Form der Myokarditis ist eine vollständige körperliche Schonung. Dies hilft, das Herz zu entlasten und die Entzündung zu kontrollieren.  
  • Medikamentöse Therapie: Zur Unterstützung der Herzfunktion und Entzündungshemmung können Medikamente wie ACE-Hemmer, Beta-Blocker und Kortikosteroide zum Einsatz kommen. 
  • Immunmodulation: Bei bestimmten autoimmunen Formen können Immunsuppressiva eingesetzt werden, um die Entzündung zu stoppen und das Immunsystem zu bremsen. 
  • Herzunterstützungssysteme: In schweren Fällen können Herzunterstützungssysteme wie eine Intra-aortale Ballonpumpe (IABP) oder auch eine Herztransplantation nötig sein.

Wie lange dauert eine Herzmuskelentzündung?

Die Dauer einer Herzmuskelentzündung hängt unter anderem von der Schwere der Entzündung, der Ursachen sowie dem Alter der betroffenen Person ab. In der Regel kann die Heilung mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.4 Während der akuten Phase ist eine vollständige körperliche Schonung erforderlich und Sport sollte für mindestens drei Monate vermieden werden.5 Auch körperliche Arbeit ist tabu, weshalb Patienten in der Regel krankgeschrieben sind.

Eine Herzmuskelentzündung kann, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt oder zu spät erkannt wird, langfristige Folgen für das Herz haben. Möglich sind:  

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): das Herz kann seine Pumpleistung nicht mehr ausreichend aufrechterhalten 

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung ist eine langfristige Überwachung des Herzens erforderlich, um mögliche späte Schäden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Wie lässt sich einer Herzmuskelentzündung vorbeugen?


Um einer Herzmuskelentzündung vorzubeugen, sind unter anderem folgende Maßnahmen wichtig: 

  • Infekte sollten vollständig auskuriert werden, um das Risiko einer Ausbreitung auf das Herz zu verringern. 
  • Keine körperliche Anstrengung bei Fieber, damit das Herz nicht belastet wird. 
  • Eine regelmäßige Auffrischung der empfohlenen Standardimpfungen hält den spezifischen Immunschutz aufrecht und kann helfen, Infektionskrankheiten wie einer Grippe vorzubeugen.6 
  • Dauerhafter Stress, übermäßiger Genuss von Alkohol sowie Rauchen können zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen, darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.7 

Häufig gestellte Fragen zur Herzmuskelentzündung


Wie merkt man eine Herzmuskelentzündung?

Die häufigsten Symptome einer Myokarditis sind Atemnot, Brustschmerzen, Herzrasen und Müdigkeit. Diese Symptome treten in der Regel einige Zeit nach einer Infektion wie einer Erkältung auf und variieren je nach Schweregrad der Erkrankung.

Was tun bei Herzmuskelentzündung?

In der akuten Phase der Myokarditis ist eine vollständige körperliche Schonung notwendig, und Sport sollte für mindestens drei Monate vermieden werden.5 Weiterhin können Herzmedikamente oder Entzündungshemmer erforderlich sein.

Wie lange dauert eine Herzmuskelentzündung?

Die Heilung einer Herzmuskelentzündung kann je nach individueller Situation variieren. In der Regel dauert sie mehrere Wochen bis Monate, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung.

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Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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