Tachykardie – auch bekannt als „Herzrasen“

26. März 2021
18 Min.

Was von Medizinern als Tachykardie bezeichnet wird, ist im allgemeinen Volksmund eher als Herzrasen bekannt. Dass ein Herz schneller zu schlagen beginnt, kann viele Ursachen haben: Aufregung, Angst oder (Vor-)Freude. Allerdings gibt es auch medizinisch ernstzunehmende Auslöser für eine Tachykardie. Welche das sind, von welchen Symptomen Herzrasen noch begleitet wird und wie die Behandlung aussieht, ist in diesem Artikel übersichtlich zusammengetragen.

Junge Frau hält die Hand an die Brust, weil sie Herzrasen verspürt.


Übersicht:


Die wichtigsten Fragen zum Thema Herzrasen (Tachykardie):

  • Was ist eine Tachykardie?
    Gemeint ist ein Herzrhythmus, der bei mehr als 120 Schläge pro Minute liegt („Herzrasen“).1
  • Welche Symptome können bei Herzrasen noch auftreten?
    Schwindel, Druckgefühl in der Brust sowie Übelkeit sind neben spürbar verstärkter Herzschlagfrequenz Symptome, die auftreten können. In der Regel sind die Beschwerden eher anfallsartig, treten also nur ab und an auf und verschwinden wieder.
  • Ist Herzrasen gefährlich?
    Obwohl es sich vielleicht bedrohlich anfühlt, ist Herzrasen oft auf unbedenkliche Faktoren zurückzuführen. Um hier aber auf der sicheren Seite zu sein und gesundheitliche Probleme des Herzens auszuschließen, sollten Tachykardien von einem Mediziner untersucht werden. Bestimmte Formen der Tachykardie (beispielsweise die ventrikuläre Tachykardie) sind ernstzunehmende Störungen, die in jedem Fall behandelt werden müssen.1
  • Was löst eine Tachykardie aus?
    Herzrasen ist mitunter organisch bedingt: Bluthochdruck und eine koronare Herzkrankheit können denkbare Ursachen sein. In den meisten Fällen sind aber Faktoren wie Stress, Alkohol oder Koffein für das Herzrasen verantwortlich.
  • Wie stellt der Arzt die Diagnose „Herzrasen“? Nach der Anamnese kann der Mediziner ein Elektrokardiogramm (EKG) und gegebenenfalls einen Herzultraschall veranlassen, um die Tachykardie zu diagnostizieren oder auszuschließen.
  • Wie wird eine Tachykardie behandelt?
    Zur Therapie werden, falls nötig, Medikamente wie Betablocker verschrieben, aber auch gezielte Entspannungsmaßnahmen und sogenannte Vagus-Manöver können, je nach Ursache des Herzrasens, Wirkung zeigen.

Häufige Herzrasen-Symptome

Herzrasen – konkret heißt das: das Herz schlägt häufiger als 120 Mal pro Minute.1 Es gibt allerdings Begleiterscheinungen, die neben einem spürbaren Beschleunigen des Herzschlags noch auftreten und Betroffene belasten können. Dazu gehören:

Herzrasen kann akut (anfallsartig, weniger als 30 Sekunden2), also „von jetzt auf gleich“, anhaltend (länger als 30 Sekunden1) oder chronisch (wiederkehrend/permanent) auftreten.

Verschiedene Formen von Herzrasen:

  • Supraventrikuläre Tachykardie: Herzrasen entwickelt sich außerhalb der Herzkammern und ist in der Regel harmlos
  • Ventrikuläre Tachykardie: Entstehung in der Herzkammer; Achtung: gefährliche Form des Herzrasens, da häufig Vorstufe eines lebensbedrohlichen Kammerflimmerns

Hinweis: Diese Einordnung kann nur nach einer ärztlichen Untersuchung und durch einen Mediziner vorgenommen werden.

Tachykardie-Diagnose: Was der Arzt überprüft

Herzrasen kann stark verunsichern, unabhängig davon, ob es einmalig oder immer wiederkehrend auftritt. Ein Besuch beim Arzt bringt hier Klarheit. Der erste Ansprechpartner ist der Hausarzt, welcher Sie gegebenenfalls an einen Fachmediziner, in der Regel einen Kardiologen, überweist.


Übersicht Diagnose:


Wann zum Arzt?

Betroffene mit Herzrasen sollten eine ärztliche Einschätzung einholen, wenn:

  • die Beschwerden erstmalig auftreten
  • die Ursachen unklar sind
  • die Symptome sehr belasten
  • das Herzrasen immer wieder auftritt
  • familiäre Herzerkrankungen bekannt sind

Treten starker Schwindel oder gar Ohnmacht auf, ist umgehend der Rettungsdienst zu kontaktieren oder der Weg ins Krankenhaus anzutreten.

Patientengespräch

Im Rahmen des Patientengesprächs (Anamnese) erfragt der Arzt die genauen Symptome, deren Ausprägung und Auftreten. Zudem werden Fragen in Bezug auf die bisherige Krankengeschichte (die eigene und die der Familie), Medikamenteneinnahme und Lebensumstände gestellt.

Tipp: Machen Sie sich im Vorfeld bereits Notizen zu Ihren Beschwerden samt Uhrzeit des Auftretens und Begleitumständen (Symptom-Tagebuch). So können Sie dazu beitragen, den Diagnose-Prozess zu beschleunigen.

Elektrokardiografie

Im Anschluss an das Patientengespräch erfolgt eine Elektrokardiografie. Dabei werden Elektroden an der Haut angebracht – beispielsweise am Brustkorb, an den Beinen und Armen – und diese messen die elektronischen Spannungsschwankungen, die bei jedem Herzschlag entstehen. Das daraus entstehende Elektrokardiogramm (EKG) zeigt mit einem Kurven- beziehungsweise Zackenbild, wie sich die elektrische Herzaktivität beziehungsweise die Herzfrequenz über einen bestimmten Zeitraum verhält.

Die verschiedenen Formen eines EKG:

  • Ruhe-EKG (wenige Minuten; liegend in der Arztpraxis)
  • 24-Stunden-EKG (Patient trägt das Gerät für 24 Stunden am Körper)
  • Belastungs-EKG (zum Beispiel für etwa 15 Minuten auf dem Laufband oder Fahrrad in der Praxis)3
EKG: Darstellung eines gesunden Herzschlags.

Wie sieht das typische EKG-Muster bei einem gesunden Herzschlag aus?4

  1. Eine kleine Welle (P-Welle) zeigt den Beginn des Herzschlags an: Die beiden Herzvorhöfen ziehen sich zusammen und pumpen Blut in die Herzhauptkammern.
  2. Die Linie liegt wieder bei Null, verläuft also ohne Kurve oder Peak waagerecht zur Zeitachse: Von den Vorhöfen wird ein elektrischer Impuls an die Herzkammern weitergeleitet.
  3. Eine große Zacke (QRS-Komplex) steht für das Zusammenziehen der Kammern: Blut gelangt aus dem Herzen zurück in den weiteren Kreislauf.
  4. Am Ende ist noch eine kleinere Welle (T-Welle) zu sehen: Die Herzkammern entspannen sich wieder.

In der Regel zeigt die EKG-Linie bei Herzrasen weiterhin einen regelmäßigen Herzschlag an, allerdings erfolgen die jeweiligen Peaks und Kurven in kleineren Abständen zueinander. Bei einem Kammerflimmern hingegen zeigt das EKG sofort einen typischen Kurvenverlauf mit unregelmäßigen, chaotischen Zacken.

Herzultraschall

Sollten im EKG Auffälligkeiten zu bemerken sein oder hegt der Arzt aufgrund der Anamnese und der Darstellung Ihrer Symptome einen bestimmten Verdacht, kann ein Herzultraschall (Echokardiografie) durchgeführt werden. Die Echokardiografie gehört heute zu den wichtigsten nichtinvasiven bildgebenden Untersuchungsverfahren.

In der Regel erfolgt die Echokardiografie von außen durch den Brustkorb (TTE). Mithilfe einer Ultraschall-Sonde ist routinemäßig eine zwei-, in Sonderfällen eine dreidimensionale, also räumliche Darstellung des Herzens möglich (3D-Abbildung). Sie wird vor allem zur Untersuchung der Herzklappen und bei Verdacht auf Herzschwäche eingesetzt. Eine Farbdoppler-Echokardiografie macht nicht nur den Blutfluss, sondern auch dessen Richtung sichtbar. Schallwellen einer gewissen Frequenz zeigen unterschiedliche Farben an und lassen den Mediziner so beispielsweise Klappenfehler erkennen.

Die Ablaufschritte der Echokardiografie:

  1. Der Patient liegt mit freiem Oberkörper in Seitenlage auf der Liege.
  2. Der Arzt trägt ein Kontaktgel auf die Haut auf.
  3. Mit leichtem Druck wird die Sonde dann über den Brustkorb geführt.
  4. Die Bilder auf dem Monitor werden gespeichert und (sofort) ausgewertet.

In eher seltenen Fällen kann das bilderzeugende Verfahren über die Speiseröhre (Transösophageale Echokardiografie / „Schluckecho“, TEE) umgesetzt werden. Der Ultraschallkopf befindet sich dann an der Spitze eines langen Schlauchs, welcher wie bei einer Magenspiegelung behutsam über den Mund in die Speiseröhre eingeführt wird. Die Nähe der Speiseröhre zum Herzen gewährleistet genauere Bilder als die Echokardiografie von außen, wenn der Sachverhalt noch nicht ganz eindeutig ist. Aber die TEE ist um einiges seltener notwendig, weil ein äußerlicher Ultraschall in vielen Fällen ausreicht.

Zur Behandlung von Tachykardie

Ob eine gefährliche oder ungefährliche Form der Tachykardie vorliegt, kann nur ein Arzt erkennen, weswegen in jedem Fall ein Besuch beim Mediziner angeraten ist. In den meisten Fällen ist das Herzrasen zwar harmlos, kann aber trotzdem sehr unangenehm sein, weshalb oft eine Behandlung angestrebt wird. Was Sie selbst gegen die Beschwerden unternehmen können, welche Medikamente helfen und was für Maßnahmen von Ärzten umgesetzt werden, ist im Nachfolgenden zu lesen.


Übersicht Behandlung:


Stimulation durch Vagus-Manöver

Bei akuter, supraventrikulärer (oberhalb des Herzventrikels) Tachykardie erweist sich ein sogenanntes Vagus-Manöver mitunter als lindernd. Gemeint sind Maßnahmen, mit denen man den Herzrhythmus selbst regulieren beziehungsweise beruhigen kann. Durch die Stimulation des Vagus-Nervs, der Teil des autonomen Nervensystems und an der Steuerung des Herzrhythmus beteiligt ist, lässt sich die Rhythmusstörung beheben. Hintergrund: Die Weiterleitung von elektrischen Reizen verlangsamt sich.

Vagus-Manöver: Methoden, um den Vagus-Nerv anzuregen

  • einseitige Massage der Halsschlagader (Karotis-Druckversuch), im linken Kieferwinkel, dort wo der Puls zu spüren ist (bitte im Liegen durchführen, da kurzzeitiger Blutdruckabfall möglich)
  • leichter (kühler) Druck auf die geschlossenen Augen (okulokardialer Reflex)
  • Bauchpresse: Druck im Brust-Bauchraum erzeugen, zum Beispiel durch 1. das auf den Rücken legen, 2. Oberkörper leicht aufrichten, 3. Bauchmuskulatur anspannen und 4. in den Bauchraum hineinpressen
  • das Trinken von kaltem oder stark kohlensäurehaltigem Wasser in großen Schlucken

Hinweis: Bitte wenden Sie diese Maßnahmen nur nach gestellter Diagnose „supraventrikuläre Tachykardie“ (nicht: „ventrikuläre Tachykardie“!) und in Absprache beziehungsweise nach Anweisung durch Ihren behandelnden Arzt an.

Medikamente gegen Herzrasen

Der Mediziner kann je nach zugrundeliegender Ursache für das Herzrasen Medikamente zur Behandlung verschreiben. Diese können zur langfristigen Therapie oder Vorbeugung eingesetzt werden. Meist handelt es sich dann um Arzneien, die sich allgemein gegen Herzrhythmusstörungen richten. Betablocker zum Beispiel senken die Herzfrequenz. Sind psychische Faktoren wie Panikattacken der Grund für die erhöhte Schlagfrequenz, verschreiben Ärzte manchmal auch Mittel zur Beruhigung.

Akutes Herzrasen: Wie wird es vom Mediziner behandelt?

In akuten Fällen gibt es die Möglichkeit, dass der behandelnde Arzt das jeweilige Medikament auch intravenös verabreicht (direkt in die Vene gespritzt).

Mit Entspannung Herzrasen entgegenwirken

Vor allem bei chronischem Herzrasen kann es für Betroffene hilfreich und wohltuend sein, Entspannungsübungen wie

  • Yoga,
  • Meditation,
  • autogenes Training oder
  • progressive Muskelentspannung

regelmäßig umzusetzen und in den Alltag zu integrieren. Wichtig ist hier zu betonen, dass jeder selbst für sich herausfinden muss, was ihm oder ihr guttut. Manchmal kann es auch einfach ein ausgedehnter Spaziergang, eine genüsslich getrunkene Tasse Tee oder entspannende Musik sein – alles ist erlaubt, was zur Ruhe kommen lässt.

Beispiele für ärztliche Eingriffe bei schweren und regelmäßigen Attacken von Herzrasen

Sollte das Herzrasen in schweren Fällen

  • lange anhalten sowie immer wieder auftreten,
  • mit Medikamenten nicht (ausreichend) behandelbar sein und so
  • die Lebensqualität einschränken,
  • können Mediziner eine Ablation durchführen: Bei einem Eingriff wird ein Katheter durch eine kleine Öffnung an der Leistenvene bis zum Herzen geschoben. An der Spitze des Katheters befindet sich eine Vorrichtung, um die für das Herzrasen verantwortlichen Zellen zu identifizieren und zu veröden. Eine Katheter-Ablation dient dazu, ein krankhaft zu schnell oder unregelmäßig schlagendes Herz wieder in einen natürlichen Rhythmus zu bringen.

    Herzrasen – zu den Ursachen

    Um eine gezielte Behandlung einleiten zu können, muss der Ursprung der Herzrhythmusstörung ermittelt worden sein. Dabei gibt es Ursachen, die unmittelbar mit dem Organ Herz zu tun haben und etwas „fernere“ Diagnosen.

    Herzbedingte Auslöser

    Wenn ein Herz schneller schlägt, kann dies im Organ selbst begründet sein. Umso wichtiger ist es, dass ein Mediziner das Beschwerdebild genauer untersucht und herzbezogene Ursachen ausschließen oder zeitnah behandeln kann. Doch was sind die häufigsten Auslöser?

    • Bluthochdruck: Ein hoher Blutdruck (über 120 zu 80 mmHg5) und ein schneller Puls können zu verstärktem Herzklopfen und Herzrasen führen.
    • Vorhofflimmern: Ungeordnete elektrische Reize lassen hierbei die Muskulatur der Vorhöfe sehr schnell flimmern oder flattern (rasche Kontraktionen). Als Folge erhöht sich die Frequenz auf bis zu 160 Schläge pro Minute.6 Vorhofflimmern als solches stellt keine akute Gefahr dar. Allerdings ist es dennoch ernst zu nehmen, denn es besteht eine erhöhte Thrombosegefahr, weil sich Blutgerinnsel bilden können. Zudem steigt das Risiko für einen Schlaganfall, wenn das Gerinnsel bis zum Gehirn gelangt.
    • Koronare Herzkrankheit (KHK): Bei dieser Erkrankung ist die Blutversorgung des Herzmuskels verringert oder völlig unterbrochen. Die Durchblutungsstörung des Herzens beruht auf einer Verengung der Herzkranzgefäße infolge von Arteriosklerose.
    • Kammerflattern/Kammerflimmern: Hier kommt es zu extrem schnellen, unkoordinierten Kontraktionen der Herzkammern (Kammertachykardie), in extremen Fällen flatter- oder flimmerartig und mehr als 320-mal in der Minute.7 Das Blut wird nicht mehr in den Kreislauf gepumpt – Herzrasen, plötzliche Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand sind die Folgen. Achtung: Es besteht akute Lebensgefahr! Außenstehende sollten sofort den Rettungsdienst rufen und mit der Herzdruckmassage beginnen.

    Vom Herzen unabhängige Auslöser

    Der menschliche Körper ist ein komplexes System und so können auch andere Ursachen für die Reaktion des Herzens in Form einer Tachykardie verantwortlich gemacht werden. Diese Faktoren führen ebenfalls zu Herzrasen:

    • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Stress und psychische Belastungen
    • Hormonschwankungen (während der Periode, Schwangerschaft oder Wechseljahre)
    • Schock und großer Blutverlust (nach Verletzung)
    • niedriger Blutdruck (Hypotonie, unter 110/60mmHg)8
    • Anämie (Blutarmut)
    • Verschluss von Lungengefäßen (Lungenembolie)
    • Vergiftungen
    • Nebenwirkungen von Medikamenten
    • Drogen
    • Alkohol, Nikotin und Koffein

    Die Wechseljahre der Frau

    In den Wechseljahren kommt es zu einem Abfall des Hormons Östrogen. Das führt dazu, dass Frauen dann vermehrt unter Schwitzen, Hitzewallungen, Angstgefühlen und Herzrasen in der Nacht leiden.9

    Unabhängig davon, was Auslöser für das Herzrasen ist – Betroffene sollten sich zeitnah diesem gesundheitlichen Thema widmen. Manche Patienten leiden sehr stark unter den Symptomen und es gilt auch ernstzunehmende Erkrankungen auszuschließen. Auf diese Weise bekommen Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden Gewissheit über ihre Gesundheit und können wieder an Lebensqualität gewinnen.

    Carolin Stollberg
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