Extrasystolen – Wenn das Herz stolpert

26. Januar 2021
12 Min.

Unser Herz ist im Dauereinsatz, rund um die Uhr. Die meiste Zeit bemerken wir gar nicht, wie es für uns arbeitet. Doch ab und an kann es vorkommen, dass einige Schläge besonders stark wahrgenommen werden. Betroffene beschreiben nicht selten, dass es sich wie ein Stolpern des Herzens anfühlt. Mediziner sprechen hier von sogenannten Extrasystolen. Doch um was handelt es sich dabei genau? Und ist diese Herzrhythmusstörung (Arrhythmie) gefährlich?

Frau hält sich die Hände an die Brust, weil sie Herzstolpern verspürt


Überblick:


Die häufigsten Fragen zum Thema „Herzstolpern“:

  • Was ist Herzstolpern?
    Herzstolpern meint einen zusätzlich erfolgenden und häufig stark wahrgenommenen Herzschlag (Extrasystole), der durch einen irregulären elektrischen Impuls entsteht, bevor der regelmäßige Herzschlag wieder einsetzt.
  • Was sind typische Symptome eines „stolpernden“ Herzens?
    Kräftiger Herzschlag, Herzrasen und -klopfen gehören zu den Beschwerden, die in diesem Zusammenhang am häufigsten vorkommen. Seltener beschreiben Betroffene ein Stechen sowie Schmerzen in der Brust.
  • Was zählt zu den Auslösern?
    Stress, Schilddrüsenerkrankungen, ein Kalium- und Magnesiummangel, Genussmittel wie Kaffee und Alkohol sowie bestimmte Medikamente können Herzstolpern hervorrufen.
  • Wie wird Herzstolpern diagnostiziert?
    Neben der Anamnese gehört das Elektrokardiogramm, kurz EKG (in Ruhe, Belastung oder auch über 24 Stunden), zu den gängigen Diagnose-Verfahren.
  • Wie wird Herzstolpern behandelt?
    Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Auslöser (zum Beispiel Stress) sind möglichst zu vermeiden. Genauso sollte einem Kalium- oder Magnesiummangel mit Mineral-Präparaten entgegengewirkt werden. Der Arzt kann des weiteren Medikamente gegen die Herzrhythmusstörung verschreiben.

Symptome: Wie äußert sich Herzstolpern?

In den meisten Fällen bemerken wir Extrasystolen gar nicht. Besonders wenn wir konzentriert oder abgelenkt sind, fallen die zusätzlichen Herzschläge nicht auf. Erst in Ruhe, wie vor dem Einschlafen, werden sie eher wahrgenommen.

Was bedeutet das Wort „Systole“? Eine Systole bezeichnet die Phase der Zusammenziehung des Herzmuskels und des Auswurfs des Blutes.

Doch wie fühlen sich Extrasystolen an? Das Erscheinungsbild dieser Herzrhythmusstörungen ist sehr variabel, es können jedoch folgende Empfindungen und Symptome vermehrt auftreten:

  • besonders stark wahrgenommene Herzschläge (bei gleichmäßigem Grundrhythmus)
  • zusätzliche Herzaktionen, also Extraschläge (Extrasystolen)1
  • Herzaussetzer, vor allem nach einem kräftigen Herzschlag
  • selten: Stechen und Schmerzen in der Brust
  • Übelkeit sowie Schwindel
  • Angst und Unruhe

Die Verunsicherung über das Empfundene kann Betroffene auch psychisch sehr belasten: Aus Furcht, eine schwerwiegende Herzerkrankung zu haben, entwickeln einige Personen mit spürbaren Extrasystolen sogar Angst- und Panikstörungen.2

Ruhe bewahren

Vereinzelte Extraschläge sind unbedenklich und vergehen in der Regel von allein wieder. Erst bei wiederkehrenden und (chronisch) stark auffälligen Herzschlägen gilt es, einen Arzt aufzusuchen. Auch nach einer umfassenden Untersuchung zeigt sich in vielen Fällen, dass die Sorgen unbegründet sind. Also – bitte nicht in Panik geraten.

Übrigens: Panikattacken lösen ebenfalls Atemnot, Schwindel, Herzklopfen und Extrasystolen aus. Also kann auch psychische Belastung ursächlich für Zusatzschläge des Herzens sein. Eine ärztlich gestellte Diagnose kann dies klären.

Betroffene gewöhnen sich dann mitunter ein „Schonungs- oder Vermeidungsverhalten“ an, um die Beschwerden nicht mehr zu empfinden. So kommt es vor, dass Menschen keinen Sport mehr treiben, um das Herz nicht zu überanstrengen oder dass Situationen vermieden werden, in denen das Herzklopfen besonders stark erscheint oder zum ersten Mal aufgefallen ist.

Beispiel: Wurde Herzstolpern (erstmals) beim Autofahren oder an der Supermarktkasse bemerkt, fürchten Patienten, dass es dabei noch einmal passieren könnte und umgehen es zukünftig. Das kann die Lebensqualität und Handlungsfähigkeit sehr einschränken.

Ursachen: Das sind die Auslöser für Extrasystolen

Extrasystolen entstehen meist durch verschiedene Faktoren:

  • Koffein
  • Alkohol
  • Stress und psychische Probleme
  • Kalium- und Magnesiummangel (Mineralien, die wichtig für die Reizübertragung sind)
  • Medikamente für Erkältung oder Heuschnupfen (weil Wirkstoffe wie Pseudoephedrin das Herz anregen)3

Ein Mediziner sollte jedoch unbedingt sicherstellen, dass beispielsweise keine

  • koronare Herzkrankheit (Herzkranzgefäße sind durch Arteriosklerose verkalkt und verengt),
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder
  • Herzklappen-Erkrankung

vorliegt.

Zur Info: Das sogenannte Vorhofflimmern gehört auch zu den Herzrhythmusstörungen. Hier bewegen sich („flimmern“) die Vorhöfe des Herzens durch fehlerhafte elektrische Signale sehr schnell und unkontrolliert, was das Risiko für Blutgerinnsel steigert. Ein Arzt kann eine gesicherte Diagnose stellen und eine Behandlung einleiten.

Des Weiteren ist Herzstolpern auch im Zusammenhang mit

  • Herzrasen, also zu schnellem Herzschlag (Tachykardie)4 , und
  • Herzklopfen beziehungsweise „-hüpfen“ (Palpitationen)1

zu beobachten.

Diagnose: Ein aus dem Takt geratenes Herz erkennen

Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich Ihr Herzschlag verändert hat, sollten Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen. Er kann Sie nach einer ersten Einschätzung an einen Kardiologen, einen Facharzt für den Herz-Kreislauf und seine Erkrankungen, überweisen.

Achtung: Sollten neben Herzstolpern auch

  • Schwindel,
  • Übelkeit,
  • Luftnot,
  • Brustschmerz oder gar
  • Ohnmacht

auftreten, sind das wichtige Warnsignale, die auf eine ernste Herzerkrankung (zum Beispiel Herzinfarkt) hindeuten können. In einem solchen Fall sollten Sie sich zur Untersuchung in ein Krankenhaus fahren lassen oder den Notruf wählen.

Im ausführlichen Patientengespräch (Anamnese) wird nach

  • der Art der Beschwerden,
  • deren Häufigkeit,
  • ihrer Intensität und Ausprägung

gefragt, aber auch Informationen

  • zu familiären Vorerkrankungen (Herzinfarkt oder Herzschwäche?),
  • zur aktuellen Lebenssituation (körperlicher und/oder emotionaler Stress?),
  • zur Ernährung (überwiegend Fastfood und vitamin- sowie mineralstoffarme Kost?) und
  • zu sportlichen Aktivitäten (wenig Bewegung und sitzende Tätigkeiten?)

sind für die Diagnose wichtig.

Die Elektrokardiographie (EGK) dient dem Arzt ebenfalls als Diagnosemethode für Herzstolpern. Beim EKG handelt es sich um eine schnelle (etwa 3 Minuten dauernde)5 und schmerzfreie Untersuchung, mit Hilfe derer die elektrisch verstärkten Impulse des Herzens aufgezeichnet werden. Klebe-Elektroden empfangen die Signale über die Haut (zum Beispiel an der Brust, den Armen und Beinen). Das daraus resultierende Elektrokardiogramm zeigt die Herzaktion in Form einer Kurve mit typischen, sich regelmäßig wiederholenden Zacken und Wellen an. Der Mediziner bewertet dann diese Kurven des EKGs und erkennt Unregelmäßigkeiten oder Auffälligkeiten. So sind beispielsweise bis zu etwa 500 ventrikuläre Extrasystolen (= Extraschläge aus den Herzkammern) pro Tag sind für den Mediziner unbedenklich, alles darüber erfordert noch einmal genauere Untersuchungen.

Das EGK gibt es in verschiedenen Formen:

  • Ruhe-EKG (wenige Minuten; liegend in der Arztpraxis)
  • 24-Stunden-EKG (Patient trägt das Gerät für 24 Stunden am Körper)
  • Belastungs-EKG (zum Beispiel für etwa 15 Minuten auf dem Laufband oder Fahrrad in der Praxis)6

Außerdem kann eine Blutabnahme erfolgen. Auf diese Weise wird ein möglicher Vitamin- und Mineralmangel ermittelt beziehungsweise ausgeschlossen. Zudem lassen sich dem Blut Werte entnehmen, die Aufschluss auf einen Herzinfarkt geben. In einem solchen Fall befinden sich plötzlich vermehrt Enzyme und Proteine (zum Beispiel Myoglobin, Kreatinkinase, Troponin I und Troponin T) im Blut.

Behandlung: Therapiemaßnahmen gegen Herzstolpern

Nicht immer ist eine Therapie von Extrasystolen notwendig. Die harmlosen Zusatzschläge vergehen meist von allein wieder. Sollten sie jedoch anhalten und belasten, gibt es Handlungsbedarf. Denn die genannten Symptome sind nicht nur unangenehm, sondern können mitunter auch die Lebensqualität beeinträchtigen.

Wenn Sie an sich bemerken sollten, dass Sie mit den spürbaren Herzrhythmusstörungen psychisch nicht umgehen können, sollten Sie sich an einen Psychologen oder Psychotherapeuten wenden. Sie behandeln zwar nicht die Rhythmusstörung selbst, helfen jedoch dabei, die Angst und Panik zu überwinden.

In eher seltenen Fällen verschreibt der Arzt ein Medikament. Denn meist überwiegt das Risiko von Nebenwirkungen den Nutzen für den ansonsten gesunden Patienten.3 Menschen mit einem kürzlich zurückliegenden Herzinfarkt oder einer Herzinsuffizienz bekommen jedoch Betablocker. Diese Arznei dient dazu, den Pulsschlag zu verlangsamen, den Blutdruck zu senken und das Herz zu entlasten.

Bei häufigen ventrikulären Extrasystolen (mehr als 15.000 pro 24 Stunden)7 lässt sich eine sogenannte Katheterablation durchführen: Dabei wird der Ort, an dem die Extraschläge entstehen, mithilfe einer kathetergeführten elektrophysiologischen Herzuntersuchung ermittelt. Mit Hitze durch Hochfrequenzstrom kann der entsprechende Bereich verödet werden.

Um einem Kalium- oder Magnesiummangel entgegenzuwirken, kann es sinnvoll sein, die Ernährung entsprechend anzupassen: Wichtige Kalium-Lieferanten sind beispielsweise getrocknete Aprikosen und Bananen sowie Gemüse wie Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Erbsen, weiße Bohnen, Linsen. Magnesium ist vor allem in Trockenobst, Bohnen, Linsen, Getreideprodukten und Nüssen enthalten. Auch der Griff zu Kalium- und Magnesiumpräparaten aus der Apotheke ist — nach ärztlicher Absprache — eine Option.

Des Weiteren sollten Sie auf Nikotin, Alkohol- oder Kaffee verzichten. Denn mit dem Konsum dieser Genussmittel steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Versuchen Sie darüber hinaus, Stress möglichst zu vermeiden und sich ausreichend Erholungsphasen zu gönnen. Progressive Muskelentspannung und Meditationen können allein oder in einer Gruppe mit Anleitung durchgeführt werden. Sport, wie Joggen oder Tanzen, kann dazu beitragen, Stress abzubauen und ist zudem ein gutes Herz-Kreislauf-Training.

Carolin Stollberg
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!