Der Schellong-Test

Ein Schellong-Test untersucht, ob Beschwerden wie Schwindel und Unwohlsein auf eine Fehlregulation des Kreislaufs zurückzuführen sind. Dazu wird die Anpassungsfähigkeit von Blutdruck und Puls an eine standardisierte Belastungssituation untersucht. Lesen Sie hier mehr über den Schellong-Test und wie dessen Auswertung erfolgt.

Überblick:

  • Testziel
  • Was untersucht der Test?
  • Orthostase-Reaktion
  • Orthostatische Fehlregulation
  • Durchführung
  • Auswertung

Wozu dient der Schellong-Test?

Der sogenannte Schellong-Test ist ein einfacher diagnostischer Test, den der Arzt zur Untersuchung der Kreislauffunktion durchführen kann. Überprüft werden dabei die Änderung

  • der Herzfrequenz und
  • des Blutdrucks

beim Positionswechsel zwischen liegender Position, Aufstehen und Stehen.

Darum handelt es sich bei Kreislaufproblemen

Viele Menschen kennen den Begriff “Kreislaufprobleme“. Damit sind meist Symptome wie Schwindel, Unwohlsein oder ein allgemeines Schwächegefühl gemeint. Die Ursache für Kreislaufbeschwerden ist meist harmlos. Trotzdem gilt: Wenn Sie oft unter Kreislaufproblemen leiden, oder sogar ein Kreislaufkollaps auftritt, sollte eine eingehende ärztliche Diagnostik erfolgen.

Was genau überprüft der Schellong-Test?

Der Schellong-Test überprüft die Orthostase-Reaktion. Mit anderen Worten gelingt es durch den Test festzustellen, ob der Körper Blutdruck und Herzfrequenz ausreichend an die Belastung des Aufstehens nach einer Ruhephase anpassen kann. Dies gibt exemplarisch darüber Auskunft, ob eine eventuelle Kreislaufdysregulation vorliegt – ob der Kreislauf sich also anders, als im Normalfall erwartet, verhält.

Die Orthostase-Reaktion

Eine Blutdruck- und Pulsmessung ist Teil des Schellong-Tests.

Um die unangenehmen Folgen eines Schwindels zu vermeiden, reagiert der menschliche Körper im Normalfall beim Aufrichten mit einem beschleunigten Herzschlag und mit dem Zusammenziehen der Beinvenen. Dieser Mechanismus trägt dazu bei, dass Blut rasch aus den Beinen zurück zur oberen Körperhälfte transportiert wird, was Blutdruck und Durchblutung auf einem stabilen Niveau hält. Diese Reaktion des Körpers nennen Experten „Orthostase-Reaktion“. Sie geschieht unwillkürlich durch die Aktivierung des vegetativen Nervensystems.

Schwindel beim Aufstehen – Hintergrundwissen

Besonders häufig tritt Schwindel beim raschen Aufrichten aus dem Liegen auf. Der Grund dafür liegt in der Schwerkraft: Beim Aufstehen versackt ein Teil des Blutes in der unteren Körperhälfte. Dadurch werden die höher liegenden Organe schlechter durchblutet. Kommt es deshalb zu einer Minderdurchblutung des Gehirns, können Schwindel und im schlimmsten Falle Ohnmachtsanfälle die Folge sein.

Die orthostatische Fehlregulation

In einigen Fällen läuft diese automatische Gegenregulation des Körpers unzureichend ab – Betroffene spüren dann beim Aufrichten Schwindel und Unwohlsein. Meist legen sich die Beschwerden jedoch rasch wieder.

Eine orthostatische Fehlregulation, die der Schellong-Test aufzeigen kann, hat verschiedene Gründe. Häufig kommt es zum Beispiel vor, dass der Blutdruck vor dem Aufstehen bereits sehr niedrig ist, oder, dass die Beinvenen Krampfadern ausbildet haben, in denen das Blut beim Aufstehen versackt. Dadurch kann der rasche Blutrückfluss zum Herzen nicht adäquat verlaufen, weshalb der Puls stark ansteigt und der Blutdruck abfällt. Andere mögliche Ursachen sind zum Beispiel ein zu niedriges Blutvolumen oder eine Fehlsteuerung des vegetativen Nervensystems.

Schellong-Test: Durchführung

Die Durchführung des Schellong-Tests ist für gewöhnlich die folgende:

  • Zunächst liegt der Patient zehn Minuten entspannt auf der Untersuchungsliege. Dabei wird der erste Teil der Messung durchgeführt.
  • Innerhalb der letzten Ruheminuten werden dreimal Puls und Blutdruck gemessen. Die Messungen erfolgen jeweils im Abstand von einer Minute.
  • Im Anschluss an die letzte Messung wird der zu Untersuchende gebeten, rasch von der Untersuchungsliege aufzustehen.
  • Sofort nach dem Aufstehen werden erneut Blutdruck und Puls gemessen.
  • Der Patient muss nun zehn Minuten stehen. Währenddessen wird die Messung minütlich wiederholt. Wenn möglich sollten Patienten dabei frei stehen und sich weder abstützen noch festhalten.1

Für die Auswertung des Schellong-Tests werden alle Werte notiert und auf eine Diagramm-Kurve aufgetragen, um die grafische Darstellung zu erleichtern.2 Bei Menschen, die lange bettlägerig waren, geschwächt sind oder schlecht stehen, ist es häufig nicht möglich, die Stehzeit gänzlich einzuhalten. In diesen Fällen wird der Test abgebrochen und die Gründe dafür im Untersuchungsprotokoll vermerkt.

Warum sollte ein Fachmann den Schellong-Test durchführen?

Der Schellong-Test ist eine einfache, schmerzfreie und rasch durchzuführende diagnostische Methode. Der Untersucher sollte jedoch vorbereitet sein, dass Patienten bei dem Test kollabieren können. Deshalb sollte ein Schellong-Test von geschultem medizinischem Personal durchgeführt werden. Vorsicht ist geboten, wenn starke Herzschäden wie etwa eine deutliche Herzschwäche bekannt sind.

Schellong-Test – die genaue Auswertung

Bei gesunden Patienten liegt folgende Befundkonstellation vor:

  • Der Patient ist subjektiv beschwerdefrei und es treten während des Testes weder Schwindel noch Ohnmachtsanfälle auf.
  • Nach dem Aufstehen steigt die Herzfrequenz um höchstens 15 Schläge pro Minute an.
  • Nach dem Aufstehen sinkt der obere (systolische) Blutdruckwert um weniger als 20 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) ab.3
  • Nach dem Aufstehen fällt der untere (diastolische) Blutdruckwert um weniger als 10 mmHg ab.

Liegen oben genannte Normwerte vor, ist davon auszugehen, dass Beschwerden wie Schwindel und Unwohlsein nicht auf eine Fehlsteuerung des Kreislaufs zurückzuführen sind.

Die Auswertung des Schellong-Tests gilt dann als auffällig, wenn die aufgezeichneten Werte von der Normvariante abweichen und der Patient gleichzeitig Kreislaufbeschwerden verspürt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass der Puls nach dem Aufrichten aus dem Liegen zu stark ansteigt oder der Blutdruck sehr abfällt. Auch ein übermäßiges Absinken der Herzfrequenz gilt als pathologisch (krankhaft).

Aussagekraft des Schellong-Tests

Ein auffälliger Schellong-Test besagt zunächst einmal, dass eine Kreislaufstörung vorliegt, bei der es dem Körper nicht richtig gelingt, Puls und Blutdruck an die Belastung des Aufstehens anzupassen, was Beschwerden wie Schwindel und Ohnmachtsanfälle erklären kann. Allerdings lässt ein pathologischer Schellong-Test keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Art des zugrunde liegenden Problems zu.

Hier Weiterlesen: Was ist ein Kreislaufkollaps? >>

Kreislaufprobleme verstehen >>

Mehr über Schwindel >>

1Herold, Gerd: Innere Medizin. Schellong-Test. Köln: Lehmanns 2015. S. 305.
2Pschyrembel Online: Schellong-Test. URL: https://www.pschyrembel.de/schellong%20test/K0KDN/doc/ (18.01.2019).
3Universität Leipzig: Schellong Test. Orthostatische Funktionsprüfung, Stehprobe. URL: https://docplayer.org/23237805-1-schellong-test-orthostatische-funktionspruefung-stehprobe.html (18.01.2019).