Was ist der Schellong-Test?
Der sogenannte Schellong-Test ist ein einfacher diagnostischer Test zur Untersuchung der Kreislauffunktion, der nach seinem Erfinder Fritz Schellong benannt wurde. Die Diagnostik-Methode wird vor allem herangezogen, wenn Menschen unter
- häufigem Schwindel oder
- einem ungeklärten Kreislaufzusammenbruch (Synkopen) leiden.
Mithilfe des Schellong-Tests wird herausgefunden, ob der Körper Blutdruck und Herzfrequenz während eines Lagewechsels vom Liegen zum Stehen anpassen kann (Orthostase-Reaktion). Ist dies nicht der Fall, liegt womöglich eine orthostatische Kreislaufstörung vor – das heißt, der Kreislauf verhält sich anders als im Normalfall erwartet.
Orthostase-Reaktion – kurz erklärt:
Die Orthostase-Reaktion bezeichnet die Fähigkeit des menschlichen Körpers, den Blutdruck beim Wechsel von einer liegenden beziehungsweise sitzenden Position in eine aufrechte Position auszugleichen. Dabei reagiert das Herz-Kreislauf-System unter anderem mit:
- einem beschleunigten Herzschlag (um mehr Blut zu pumpen)
- dem Zusammenziehen der Beinvenen (damit das Blut nicht in den Beinen „versackt“)
Funktioniert diese Reaktion nicht richtig, kann es zu Schwindel oder sogar kurzzeitigem Bewusstseinsverlust kommen. Das liegt daran, dass das Gehirn durch den plötzlichen Blutdruckabfall vorübergehend nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Indikationen: Wann ist der Schellong-Test sinnvoll?
Der Schellong-Test wird vor allem eingesetzt, wenn Personen wiederholt unter Schwindel, Benommenheit oder kurzzeitigem Bewusstseinsverlust leiden. Mithilfe der Untersuchung kann geklärt werden, ob orthostatische Kreislaufstörungen dahinterstecken:
- Orthostatische Hypotonie: Bei der orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck beim Aufstehen stark ab, was zu Symptomen wie Schwäche und Schwindel führt. Der Schellong-Test misst, ob und wie der Blutdruck beim Lagewechsel reguliert wird.
- Posturales Tachykardie-Syndrom (POTS): POTS ist eine Erkrankung, bei der sich die Herzfrequenz beim Wechsel in die aufrechte Position ungewöhnlich stark erhöht, begleitet von Symptomen wie Schwindel, Herzrasen und Müdigkeit. Der Test unterstützt die Diagnosestellung.
Darüber hinaus dient der Schellong-Test zur Abgrenzung anderer Erkrankungen: So kann er beispielsweise bei bestimmten Kopfschmerzformen (z. B. orthostatischer Kopfschmerz) Teil der Diagnostik sein. Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson kommt der Test zum Einsatz, da die Kreislaufregulation maßgeblich vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird. Die Untersuchung kann helfen, Störungen im sympathischen oder parasympathischen Nervensystem zu erkennen.
Wie läuft der Schellong-Test ab?
In der Regel wird der Schellong-Test in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt und dauert etwa 20 Minuten. In den meisten Fällen erfolgt die Untersuchung unter Stehbelastung (Schellong-Test I) in mehreren Schritten:1
- Zunächst liegt der Patient 10 Minuten ruhig auf der Untersuchungsliege, ohne sich zu bewegen oder zu sprechen. So kann sich der Kreislauf beruhigen und der Blutdruck stabilisieren.
- In der 8., 9. sowie 10. Minute werden jeweils zweimal pro Minute der Puls und einmal der Blutdruck gemessen.
- Nach Ablauf der 10. Minute wird der Patient gebeten, sich rasch von der Liege zu erheben.
- Anschließend muss der Patient 10 Minuten stehen bleiben.
- In der 1., 2. und 3. Minute nach dem Aufstehen werden erneut Puls (viermal pro Minute) und Blutdruck (einmal pro Minute) überprüft. In der 4. bis 10. Minute werden Puls und Blutdruck jeweils einmal pro Minute gemessen.
- Während des gesamten Tests dokumentiert das medizinische Personal auftretende Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen oder Schweißausbrüche.
Neben der Überprüfung unter Stehbelastung (Schellong I) wird der Patient in manchen Fällen unmittelbar nach dem Liegen auch zum zügigen Treppensteigen (Schellong II) aufgefordert. Im Anschluss werden ebenfalls die Blutdruck- und Pulswerte kontrolliert.
Kann man den Schellong-Test zu Hause durchführen?
Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, den Schellong-Test zu Hause durchzuführen. Dazu gehört zum Beispiel, dass Sie ein verlässliches Blutdruckmessgerät besitzen und die Messergebnisse sorgfältig von einer zweiten Person dokumentieren lassen.
Grundsätzlich wird jedoch empfohlen, den Test in einer Arztpraxis oder Klinik durchführen zu lassen. Dort sorgt eine kontrollierte Umgebung und medizinisches Fachpersonal dafür, dass Risiken frühzeitig erkannt, bei der Durchführung keine Fehler gemacht und die Ergebnisse fachgerecht ausgewertet werden.
Auswertung der Testergebnisse: Was der Schellong-Test aussagt
Während des Tests werden alle gemessenen Werte notiert und häufig in einem Diagramm dargestellt, um Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz übersichtlich zu verfolgen.
Die Befunde lassen sich folgendermaßen klassifizieren:
- Normalbefund: Bei einem gesunden Patienten kommt es nach dem Aufstehen typischerweise zu einem leichten Abfall des systolischen Blutdrucks (oberer Wert) und einem leichten Anstieg des diastolischen Blutdrucks (unterer Wert).2 Gleichzeitig steigt die Herzfrequenz moderat an, um den Blutdruck auszugleichen.
- Pathologischer (krankhafter) Befund:
- Orthostatische Hypotonie: Der Schellong-Test gilt als positiv, wenn der systolische Blutdruck innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 20 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) und/oder der diastolische um mindestens 10 mmHg abfällt. Oftmals beschreiben Patienten begleitende Symptome wie Schwindel, Ohrensausen, Übelkeit, Herzklopfen oder Unwohlsein. Zudem wird der Blutdruckabfall häufig von einem zu geringen Anstieg der Herzfrequenz (um weniger als 10 Schläge pro Minute) begleitet.3
- Posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS): Beim POTS kommt es nach dem Aufstehen zu einem starken Anstieg der Herzfrequenz von mehr als 30 Schlägen pro Minute innerhalb von 10 Minuten oder auf über 120 Schläge pro Minute.4 Der Blutdruck bleibt hingegen stabil oder sinkt nur wenig ab. Es kann jedoch zu begleitenden Symptomen wie Schwindel, Herzrasen, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen kommen.
Der Schellong-Test ist ein wichtiges Werkzeug, um orthostatische Kreislaufstörungen nachzuweisen, allerdings gibt er keine direkte Auskunft über die genaue Ursache der Störung. Deshalb sind meist weiterführende Untersuchungen wie Langzeit-Blutdruckmessung, Elektrokardiogramm (EKG) oder Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) nötig.
Schellong-Test: Was tun bei auffälligen Ergebnissen?
Ist der Schellong-Test auffällig, ist das ein Hinweis auf eine orthostatische Kreislaufstörung – jedoch kein Beweis für eine bestimmte Ursache. Um gezielt behandeln zu können, ist eine weiterführende Abklärung nötig. Denn die Auslöser für eine gestörte Kreislaufregulation sind vielfältig.
Zu den möglichen Ursachen gehören:
- neurologische Ursachen wie Parkinson oder Demenz
- kardiovaskuläre Erkrankungen, beispielsweise Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen
- endokrinologische Störungen, unter anderem eine Nebenniereninsuffizienz
- Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel durch Blutdrucksenker oder Antidepressiva
Die Behandlung richtet sich vorrangig nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist diese bekannt, steht deren gezielte Therapie im Vordergrund. In manchen Fällen bleibt die Ursache jedoch unklar.
Unabhängig davon gibt es allgemeine Maßnahmen, die den Kreislauf unterstützen können: Dazu zählen:
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- regelmäßige Bewegung
- ausgewogene Ernährung mit ausreichend Salz
- Verzicht auf Alkohol
- langsames Aufstehen nach dem Sitzen oder Liegen
- eventuell Tragen von Kompressionsstrümpfen
Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, können Medikamente zur Erhöhung des Blutvolumens oder kreislaufstabilisierende Mittel zum Einsatz kommen.
Wichtig ist zudem, den Erfolg der Maßnahmen durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen zu überprüfen und gegebenenfalls andere Therapiemaßnahmen zu ergreifen.
Welche Alternativen gibt es zum Schellong-Test?
Als Alternative zum Schellong-Test wird häufig die Kipptisch-Methode eingesetzt, da in Studien festgestellt wurde, dass diese eine bessere Erkennung und Differenzierung von Synkopen ermöglicht.5 Das hat folgenden Grund: Während Teilnehmer des Schellong-Tests ihre Beinmuskulatur beim Aufstehen aktivieren und somit den Kreislauf anregen, ist dies bei der Kipptisch-Methode nicht der Fall. Durch die Fixierung des Patienten auf einem speziellen Untersuchungstisch, der zunächst waagerecht ist und langsam in einen Winkel von 60 bis 70 Grad gekippt wird (der Kopf zeigt nach oben), muss der Patient seine Beine nicht bewegen.6
Mithilfe der Kipptisch-Methode lässt sich eine realistischere Belastung des Kreislaufs ohne muskuläre Aktivierung darstellen. Zudem ist eine Untersuchung von Patienten möglich, die nicht selbst stehen können.7 Durch die kontrollierte Schrägstellung entsteht ein höherer orthostatischer Stress als beim Schellong-Test.
Neben diesen Tests können auch weitere kardiologische Verfahren zur umfassenden Diagnostik herangezogen werden. Dazu zählen beispielsweise:
- Langzeit-Blutdruckmessung zur Erfassung des Blutdruckverlaufs über 24 Stunden
- Langzeit-EKG zur Beobachtung von Herzrhythmusstörungen über einen längeren Zeitraum
Bei allen Methoden sollte berücksichtigt werden, dass die Kreislaufreaktion von verschiedenen Faktoren wie der Tageszeit, der Einnahme von Medikamenten oder der Aufregung des Patienten beeinflusst werden kann.8
Häufig gestellte Fragen zum Schellong-Test
Der Schellong-Test ist ein einfaches Verfahren zur Untersuchung der Kreislauffunktion. Er zeigt, wie gut der Körper Blutdruck und Herzfrequenz bei einem Wechsel vom Liegen zum Stehen regulieren kann. Ziel ist es, eine mögliche orthostatische Kreislaufstörung aufzudecken. Daher wird der Test vor allem bei wiederholtem Schwindel, Ohnmacht oder Kreislaufproblemen eingesetzt.
Der Patient liegt zunächst 10 Minuten ruhig, dann wird er aufgefordert aufzustehen und weitere 10 Minuten zu stehen.1 Während dieser Zeit werden regelmäßig Blutdruck und Puls gemessen, um Veränderungen beim Lagewechsel zu erfassen. Der Schellong-Test dauert etwa 20 Minuten. Auftretende Symptome wie Schwindel oder Übelkeit werden ebenfalls dokumentiert.
Ein positiver Schellong-Test weist auf eine orthostatische Fehlregulation des Kreislaufs hin. Eine solche liegt vor, wenn der Blutdruck nach dem Aufstehen deutlich abfällt oder die Herzfrequenz sich übermäßig stark erhöht. Typisch ist ein systolischer Blutdruckabfall von mindestens 20 mmHg oder eine Pulssteigerung um mehr als 30 Schläge pro Minute.3 Solche Reaktionen deuten auf eine orthostatische Hypotonie oder ein posturales Tachykardiesyndrom (POTS) hin. Begleitsymptome wie Schwindel oder Herzrasen stützen die Diagnose.
Grundsätzlich ist der Schellong-Test auch zu Hause möglich, etwa mit einem Blutdruckmessgerät und sorgfältiger Dokumentation. Dennoch wird empfohlen, die Untersuchung unter ärztlicher Aufsicht in einer Praxis oder Klinik durchführen zu lassen. Dort können Kreislaufreaktionen besser überwacht und mögliche Risiken frühzeitig erkannt werden. Die Auswertung durch medizinisches Personal ist zudem zuverlässiger.